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Abenteuer-Mobil Stegen

Mit dem Abenteuer-Mobil unterwegs.

 

Seit mittlerweile knapp fünf Jahren kenne ich nun Abenteuerspielplätze. Als eines der Gründungsmitglieder des Abenteuerspielplatzes Lahr im Schwarzwald lässt mich der Platz mit seinen Möglichkeiten nicht mehr los. Er beflügelt meine Mitstreiter/innen und mich immer wieder zu tollen Ideen und Aktionen. Seit einem halben Jahr arbeite ich hauptberuflich neben meiner Tätigkeit auf dem Abenteuerspielplatz als Leiter des Kinder- und Jugendbüros in Stegen, einer kleinen, ländlichen Gemeinde bei Freiburg (4500 Einwohner). Zu meinen Aufgaben gehört neben der Beteiligung von Jugendlichen an der Gestaltung der Gemeinde, auch die Beteiligung und Bereitstellung von Angeboten für Kinder. Die Faszination Abenteuerspielplatz ließ mich auch hier nicht los. Doch braucht es einen Abenteuer-Spielplatz auf dem Land? Hier sollte es doch „inoffizielle“ abenteuerliche Plätze in Hülle und Fülle geben? Platz zum toben auf Wiesen, Wald um Hütten zu bauen, Bäche um mit Wasser zu spielen, Erde zum formen von Rennbahnen für Fahrräder. Zudem ist es kein einfaches Unterfangen einen Platz für einen Abenteuerspielplatz im begehrten Dreisamtal zu finden. Während meines FSJ 2009 im Kinder- und Jugendbüro der Stadt Lahr lernte ich die Arbeit von Spielmobilen kennen. Spielmobile sind mit Materialien beladene Fahrzeuge, Lastenfahrräder, Bauwagen mit Traktor, LKWs oder sogar Omnibusse die zu angekündigten Zeiten auf öffentliche Plätze fahren und dort Spielmöglichkeiten ergänzen bzw. überhaupt erst bereitzustellen. Dabei sind die Materialien sehr unterschiedlich, ob nun Werkzeug und Bastelmaterial, Spiele, Bälle Slacklines, der „Spielfalt“ sind nur wenige Grenzen gesetzt. „Kinder brauchen keine Spielplätze, sondern Platz zum Spielen Kinder brauchen kein Spielzeug, sondern Zeug zum Spielen!“(Homepage BAG Spielmobile 20.5.19). Laut Bundes Arbeitsgemeinschaft Spielmobile gibt es im deutschsprachigen Raum über 360 Spielmobile.

Noch 2018 kaufte ich mir einen alten Wohnwagen und stattete ihn auf eigene Kosten, mit „Spiel-Materialien“ aus. Seit Anfang des Jahres hat Stegen nun ein eigenes Abenteuer-Mobil. Träger ist das Kinder- und Jugendbüro der Gemeinde. Die Idee war eine Verbindung aus den Konzepten der Abenteuerspielplätze, welche viele verschiedenen räumliche Möglichkeiten für Kinder anbieten z.B. Holz-., Hütten-. und Grünholzwerkstatt, Feuerstelle und Feuerküche, Lehm- und Matsch-Baustelle und vieles mehr und die der Spielmobile, welche Plätze die vorher nur wenig oder kaum für Kinder zum spielen attraktiv waren durch mobile Spiel-. und Werk Material aufwerten ,zu verknüpfen.

Die Aktionen des Abenteuer-Mobils sind offen und kostenfrei. Jeder kann kommen und gehen, wenn er es möchte. Die Aufsichtspflicht liegt während der Aktionen bei den Eltern. Ziele des Abenteuer-Mobils sind neben der Schaffung einer Anlauf- und Kennenlernstelle (Ideen und Knox-How, Materialien, Erste Hilfe) für Kinder und Eltern auf den Plätzen, die Förderung von gemeinsamem Spiel im naturnahen Raum, Freizeitmöglichkeiten in der Gemeinde kennen zu lernen und Lobbyarbeit für Kinder zu leisten. Das Zentrum jeder Abenteuer-Mobil Aktion ist das Café mit Bibliothek und die Feuerküche, in der man viele Rezepte ausprobieren kann. Hier können Eltern auch mit kleineren Kindern, an den Abenteueraktionen teilnehmen und sich mit anderen Eltern bei einer Tasse Tee oder Kaffee austauschen. Zusätzlich können Sägen, Messer und Schnüre zum Bau von einfachen Hütten „Tot-Holz-Hütten“ geliehen werden. Werkzeug zum schnitzen, Farbe zum Malen und Mörtelkübel für Lehmbau werden nach Bedarf ebenso genutzt.

 

Nach 10 erfolgreichen Aktionen, welche 1-mal wöchentlich außerhalb der Ferien (zusätzlich wurden zwei ganztägige Aktionen in den Ferien angeboten) von 14:30Uhr bis 17:30Uhr mit insgesamt über 130 teilnehmenden Kindern und Eltern stattfanden, hat sich bereits vieles weiterentwickelt. Durch die ehrenamtliche Arbeit von Rolf Breier, ein in Eschbach wohnender Pilzcoach wurde das Abenteuer-Mobil um eine weitere Facette reicher. Rolf entdeckt mit den Kindern und Interessierten die Wiesen und Wälder rund um Stegen, Eschbach und Wittental und findet immer wieder ein brauchbares Kraut und eine kleine spannende Leckerei. Seit kurzem unterstützt der Verein Miteinander Stegen e.V. (ein Verein für Bürgerschaftliche Netzwerkarbeit für Jung und Alt mit und ohne Beeinträchtigung) das Elterncafé, hier kommen Eltern und Ältere gemütlich bei Café und Tee zusammen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Aktionen auf naturnahen Plätzen (Grillplätze, Wald nahe Spielplätze) für alle beteiligten schöner sind, weil die Wälder und Wiesen noch mehr Spielraum bieten. Zukünftig sollen sich die Aktionen zu einem festen Anlaufpunkt für Alt und Jung weiterentwickeln.

Fazit: Die Anschaffungskosten für das Gesamtmaterial (mit Wohnwagen und Umbau) schätze ich auf ca. 1500€, die wöchentliche Arbeitszeit beträgt für mich ca. 5-6 Stunden. Zusätzlich stellt die Gemeinde die verbrauchten Materialien (Öl, Gas, Lebensmittel) und die Aufwandsentschädigungen für die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Das Angebot wird gut angenommen und schafft für mich die Möglichkeit, immer wieder an verschiedenen Plätzen tolle Angebote für meine Zielgruppe zu schaffen und mit Eltern und Interessierten über Freiräume von Kindern ins Gespräch zu kommen. Zudem bleiben viele noch nach der Aktion an den Plätzen und nutzen diese sofern es möglich ist, weiter. Auch zukünftig wird es in Stegen Aktionen des Abenteuer-Mobils geben.

Abenteuermobil_flyer_3